Neue "Kasimir"-Reihe: Auslandsberichte

Seit diesem Sommer sind so einige Gruppenleiter im Ausland unterwegs. Manche sogar für ein ganzes Jahr. Wie es ihnen dort so ergeht, erfahrt ihr in den nächsten „Kasimir“-Ausgaben. Benedikt Alberternst macht in dieser Ausgabe schon mal den Anfang und berichtet über seinen dreimonatigen Kanada-Aufenthalt. 

„Donnerndes Wasser“ im Osten Kanadas

Abi und was nun? Erst einmal vier Monate faulenzen, ein bisschen jobben, sich mit Freunden treffen, am nächsten „Kasimir“ schreiben und, und, und… Das würde mir einfach zu langweilig. Also ging es für mich Anfang Juli wieder mal nach Kanada!

Da ich ja schon mein elftes Schuljahr dort verbracht hatte, lief alles ganz problemlos ab: ich wurde vom Flughafen abgeholt, beherbergt, bekocht und mein Französisch wurde mit der Zeit auch wieder flüssiger. Richtig, ich befinde mich im französischsprachigen Teil Kanadas, in Québec.

Schön und gut, bekocht und gefüttert werden ist vielleicht anfangs ganz nett, aber für drei Monate definitiv zu lang. Ich beschloss also meinen Koffer zu packen und mit dem Auto davonzufahren. Nicht zum Flughafen, sondern nach Montréal, wo ich erst einmal meine Gastschwester besuchte. Die zweitgrößte Stadt Kanadas, die ich bereits vom letzten Besuch bei meiner Gastschwester gut kannte, schaute ich mir trotzdem nochmal an. Schließlich kann man ja immer was Neues entdecken und diesmal dann sogar ohne Stadtplan. Aber nach vier Tagen Montréal durfte es dann auch gerne mal weitergehen.


Mit dem Bus ging es also zu den Niagarafällen. Endlich aussteigen hieß es nach gut fünf Stunden Fahrt. Angekommen in einer Stadt, in der fast so viel Leuchtreklame wie in New York zu sehen war. Zudem waren ähnliche Attraktionen vor Ort: Restaurants, in denen man so viel essen durfte wie man konnte, Museen mit Wachsfiguren, die den Stars überhaupt nicht ähnelten, Süßigkeiten-Geschäfte, in denen man am liebsten alles gekauft hätte und Museen mit irgendwelchen Weltrekorden… Achja, ein Haus stand sogar auf dem Kopf!

Einmal durch diese belebte und beleuchtete Straße gekämpft, gelang man zur eigentlichen Attraktion an der amerikanisch-kanadischen Grenze: den Niagarafällen. Niagara heißt in der Sprache der Indianer „donnerndes Wasser“. Aus einer Höhe von bis zu 52 Metern fallen ca. 4,2 Millionen Liter Wasser in einer Sekunde. Dieses Phänomen hört sich nicht nur beeindruckend an, nein, es sieht auch noch richtig toll aus!

Nach zwei Tagen an den Niagarafällen ging es dann wieder über Toronto zurück nach Montreal. In Toronto, der Bankenstadt Kanadas, haben wir dann kurz Halt gemacht, um uns ein Hochhaus nach dem anderen anzuschauen. Ähnlich wie in der deutschen Bankenstadt Frankfurt am Main sind diese hohen Gebilde zwar beeindruckend, aber nicht besonders schön. Eine schöne Altstadt wie in Frankfurt hatte Toronto allerdings nicht zu bieten. So blieb uns nichts anderes übrig, als einfach ein riesiges Einkaufszentrum zu besuchen.


Nach so vielen tollen Eindrücken konnte ich erst einmal ganz beruhigt wieder in meine Gastfamilie zurückkehren, mich etwas ausruhen, bevor ich dann noch ein paar Tagesausflüge unternahm: Ab und zu ging es nach Québec City, die wohl europäischste Stadt Kanadas. Dort konnte man gemütlich durch die Fußgängerzone schlendern und das gemütliche Flair der Altstadt genießen. Eine etwas weitere Anfahrt galt es zu meistern, um eine Wal-Expedition zu erleben. Nach vier Stunden Autofahrt am St. Lorenz-Strom entlang bin ich nicht nur im Norden der Provinz Québec angekommen, sondern auch am Ableger für ein kleines Schlauchboot. Mit 20 weiteren Touristen ging es dann zwei Stunden auf den St. Lorenz-Strom, um dort die wohl größten Säugetiere zu beobachten. Ab und zu tauchte neben unserem Boot der Rücken eines Wales auf und mit etwas Glück bekamen wir auch die Schwanzflosse zu sehen. Dafür haben sich die acht Stunden Autofahrt auf jeden Fall gelohnt.

Gelohnt hat sich auf jeden Fall auch diese Reise nach Kanada und ich bin mir sicher, dass es nicht meine letzte Nordamerika-Reise war. Schließlich habe ich bis jetzt nur den Osten Kanadas besichtigt. Mal sehen, wann es für mich dann wieder heißt: „Kanada, ich komme!“. Jetzt lautet es erst einmal: „Je me souviens.“ („Ich erinnere mich.“ - Motto der Provinz Québec).

Benedikt Alberternst