Neuer Kaplan: "Manager ist man nur auf Zeit"

 

  Foto: Bistum Münster
  Foto: Bistum Münster

Schon bald wird ein neuer Kaplan seinen Dienst in Oelde antreten. Dr. Christian Stenz war 16 Jahre Personalleiter und trug dabei für mehrere tausend Menschen Verantwortung. Der 52-Jährige aus Ludwigshafen am Rhein entschied sich nun aber für den Priesterberuf. Die „Kasimir“-Redaktion hat mit dem neuen Geistlichen gesprochen.

Kasimir: Sie haben bis vor ein paar Jahren noch in der Wirtschaft gearbeitet. Bei welchen Unternehmen waren Sie und wie sah Ihre Arbeit dort aus?
Kaplan Dr. Christian Stenz: Ich war in zwei Medienunternehmen, Gruner + Jahr und Axel Springer, sowie in einem Unternehmen der Pharmaindustrie, Sanofi, beschäftigt. Dort war ich jeweils als Personalleiter zunächst für Tochterfirmen zuständig, später für einen ganzen Konzern.

Kasimir: Was hat Ihnen dabei besonders gut gefallen?


Stenz: Große Freude hatte ich an der Personalentwicklung. Dazu zählen beispielsweise die Aus- und Weiterbildung, die Managemententwicklung, die Führungsgrundsätze und die Mitarbeiterbeteiligung. Auch die Gründung von Sozialeinrichtungen, wie zum Beispiel einer Betriebskrankenkasse, war eine schöne Aufgabe.

Kasimir: Bei welchen Aufgaben hatten Sie Zweifel?
Stenz: Belastend waren für mich immer Entscheidungen, die mit Arbeitsplatz- oder Einkommensverlusten von Mitarbeitern verbunden waren.

Kasimir: Sie hatten aber dennoch einen Job, von dem viele wahrscheinlich träumen. Wieso haben Sie sich entschieden, diese Tätigkeit aufzugeben und Priester zu werden?
Stenz: Weil ich schon länger den Ruf verspürt hatte, ganz für Gott und die Menschen da zu sein.
Kasimir: Dem Westdeutschen Rundfunk sagten Sie, dass Sie „kein Spätberufener, sondern ein Späthörender“ seien. Können Sie das erläutern?
Stenz: Diesen Ruf hatte ich schon früh in mir gespürt. Es gab aber – aus damaliger Sicht – lange Zeit vermeintlich gute Gründe, ihm nicht zu folgen.

Kasimir: Sie hatten also immer schon mit der Kirche zu tun? Waren Sie auch Messdiener oder haben Sie sich anderweitig in der Gemeinde engagiert?
Stenz: Ich habe im Alter von 16 Jahren damit begonnen, Orgel zu spielen. Nach einem halben Jahr Unterricht habe ich auch im Gottesdienst gespielt. Diesen Dienst habe ich lange Zeit in den Gemeinden ausgeübt, in denen ich jeweils wohnte.

Kasimir: Wie war es für Sie, ein weiteres Studium zu beginnen? Ihre Mitstreiter waren ja sicher deutlich jünger.
Stenz: Es war für mich ein großes Geschenk, mich in der Theologie einmal von morgens bis abends mit Fragen beschäftigen zu können, die mich schon immer sehr bewegt haben. Meine jüngeren Kommilitonen haben mich sehr freundlich integriert. Ich bin an der Fakultät ja auch nicht mit Schlips und Kragen herumgelaufen. Sehr habe ich es genossen, als Person gesehen zu werden und nicht vorrangig in einer Position, wie dies während des Berufslebens vorher war.

Kasimir: Ganz grundlegend: Woran unterscheidet sich ein Theologiestudium von einem Rechtsstudium?
Stenz: Als Jurastudent bereitet man sich auf einen Beruf vor, den man ausübt und auch beliebig wechseln kann. Beim Theologiestudium als Priesterkandidat folgt man einer Berufung, um sich dann mit seiner ganzen Person und lebenslang im Priesteramt zur Verfügung zu stellen. Priester bleibt man ein Leben lang, auch wenn man keine Pfarrei mehr leitet - Manager ist man nur auf Zeit.

Kasimir: An Pfingsten haben Sie die Priesterweihe in Münster empfangen. Was ging Ihnen an diesem Tag durch den Kopf? Gab es auch gemischte Gefühle?
Stenz: Ich hatte das gute Gefühl, da angekommen zu sein, wohin ich schon lange gehörte. Und es war wunderbar, dass mich dabei so viele Menschen aus meiner Familie und meinem Freundeskreis dabei begleitet haben und es auch weiterhin tun.

Kasimir: Jetzt treten Sie Ihre Kaplansstelle in Oelde an. Kannten Sie die Stadt vorher schon?
Stenz: Ehrlich gesagt: Bisher begenete mir nur ein bekanntes Kaltgetränk, das in Oelde hergestellt wird... Zum ersten Mal bin ich Anfang Juni für einen Tag hier gewesen. Ich konnte Dechant Kemper beim Mittagessen kennenlernen und er hat mich mit dem Pastoralteam bekanntgemacht. Danach haben wir eine ausgedehnte Autofahrt durch die Pfarrei unternommen und ich konnte unter anderem alle Kirchengebäude kennenlernen.

Kasimir: Welchen Eindruck konnten Sie bei Ihrem ersten Besuch gewinnen?
Stenz: Mich hat es gleich sehr beeindruckt, wie groß, auch flächenmäßig, diese neue Gesamtpfarrei ist, wie viele schöne Kirchengebäude sich hier befinden, und in einigen ersten Begegnungen konnte ich auch feststellen, dass die Menschen mir hier sehr freundlich begegnet sind und sich offenbar auf den neuen Kaplan freuen. Sehr beeindruckt war ich von der Information, dass es allein an der Kirche St. Johannes 90 Messdiener gibt. Eine beeindruckende Zahl!

Kasimir: Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Kaplanszeit in Oelde?
Stenz: Ich freue mich darauf, hier Menschen zu begegnen, die Gott suchen und ihnen in den verschiedenen Lebenslagen, in denen sie sich befinden, ein Seelsorger sein zu dürfen.

Kasimir: Werden Sie für bestimmte Bereiche der Seelsorge zuständig sein? Welche sind es?
Stenz: Die Firmkatechese, die ja als Konzept schon steht, werde ich von meinem Vorgänger übernehmen. Die übrige Aufgabenverteilung werden wir aber noch gemeinsam im Team mit Dechant Kemper festlegen. Die Tatsache, dass außer mir noch ein Jesuitenpater und ein Pastoralassistent neu ins Team hinzukommen, ist sicher ein guter Anlass, die Zuständigkeiten gemeinsam zu definieren.

Kasimir: Inwiefern kann auch Ihre große Management-Erfahrung für die Pfarrei eine Bereicherung sein?
Stenz: Ich hoffe, dass ich in einigen Projekten mit meiner Erfahrung im Projektmanagement ein wenig helfen kann, die Dinge effizient zu gestalten.

Kasimir: Eine Abschlussfrage, die wir in unserer Messdienerzeitung häufig stellen: Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Stenz: Eine Bibel, einen iPod mit meiner Lieblingsmusik und ein Kochbuch.

Das Interview führte
Benedikt Alberternst.

 

 

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