Kaplan Peters: „Wir sind mit Jesus unterwegs“

Nach Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten feiern wir nun Fronleichnam. Viele haben ein langes Wochenende und fahren in den Urlaub. Doch das Fest hat noch viel mehr als einen Wochenendausflug zu bieten. Was Fronleichnam bedeutet, erklärt Kaplan Philip Peters. Außerdem hat die Redaktion mit ihm über seine persönliche Zukunft  gesprochen.

Kasimir: Das ist unser erster „Kasimir“ zu Fronleichnam. Was feiern wir an diesem Tag?
Kaplan Philip Peters: Fronleichnam hat nichts mit „froh“ oder „Leiche“ zu tun. Es ist ein mittelhochdeutsches Wort und heißt „Leib des Herrn“. Wir feiern also den Leib des Herrn, den Leib Christi. An Fronleichnam freuen wir uns, dass Jesus uns dieses Sakrament seiner Gegenwart geschenkt hat.

Kasimir: Warum gibt es für Fronleichnam eine Prozession?

Peters: Die Prozession ist eine Bestärkung für die Gläubigen, in der Überzeugung, dass wir mit Jesus unterwegs sind. Zugleich bitten wir Jesus um seinen Segen für die Wege unseres Lebens, unseres Alltags und für unsere Stadt. Ganz besonders für die alten Leute, für die Kranken und für alle, die in Oelde arbeiten. Deshalb machen wir am Altenheim, am Krankenhaus und bei Haver & Boecker Halt und spenden den Menschen den Segen.

Kasimir: Es ist kein Geheimnis, dass Ihnen dieser Feiertag sehr gut gefällt. Was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Fest?
Peters: Die heilige Eucharistie, also das Festgeheimnis selbst. In ihr ist Jesus sakramental gegenwärtig. Das ist er zwar jeden Tag, aber an Fronleichnam kann man das durch die Anbetung und die Verehrung in der Monstranz ganz besonders erfahren.

Kasimir: Will die Kirche bei der Prozession auch den anderen Menschen in der Stadt den Leib Christi zeigen, um sie von der Herrlichkeit Gottes zu überzeugen?
Peters: Die Prozession ist keine Demonstration. Es geht nicht darum, den Menschen den Leib Christi zu präsentieren. Es geht auch nicht in erster Linie darum, Werbung zu machen. Das müsste man heute auf andere Art und Weise tun, denn mit der Prozession spricht man kaum Außenstehende an.

Kasimir: Auf welche Art müsste die Kirche Ihrer Meinung nach Werbung machen?
Peters: Die beste Werbung sind Menschen, die vom Glauben überzeugt sind und dies ausstrahlen. Dann kann der Funke auch auf andere überspringen.

Kasimir: Sie haben einige Jahre in Italien gelebt. Wird Fronleichnam dort so gefeiert wie hier in Deutschland?
Peters: Vom Prinzip her schon. Allerdings wird dem Leib Christi bei der Prozession noch viel mehr Verehrung entgegengebracht. Die Leute gehen auf der Straße in die Knie. Mancherorts werden sogar ganze Straßenzüge mit Blumenteppichen ausgelegt. Dann geht der Priester mit dem Allerheiligsten darüber.

Kasimir: Jetzt zu Ihnen: Sie verlassen Oelde im Sommer. Wo geht es hin und welche Aufgaben kommen auf Sie zu?
Peters: Im Sommer gehe ich nach Lantershofen. Das befindet sich in der Nähe von Bonn. Dort ist ein Priesterseminar für junge Männer, die Priester werden wollen, aber kein Abitur haben. Sie können dort ohne Abi Theologie studieren und zum Priester ausgebildet werden. Ich soll dort als stellvertretender Leiter des Hauses (Subregens; Anmerkung der Redaktion) tätig werden. Zusätzlich soll ich eine theologische Doktorarbeit schreiben. 

Kasimir: Was erhoffen Sie sich von der neuen Aufgabe?
Peters: Von der Arbeit im Seminar erhoffe ich mir, dass ich den jungen Männern ein guter Begleiter auf dem Weg zur Priesterweihe sein kann. Von der wissenschaftlichen Arbeit erhoffe ich mir vertiefende Einsichten, die mir, aber vielleicht auch anderen, hilfreich seien können.

Kasimir: Woran werden Sie noch oft denken, wenn Sie sich an Ihre Kaplanszeit in Oelde erinnern?
Peters: Ich werde an schöne feierliche Messen zurückdenken mit ganz tollen Messdienern, aber auch an ganz viele liebe Menschen, die ich hier kennenlernen durfte.

Kasimir: Werden wir in Oelde einen neuen Kaplan bekommen?
Peters: Das ist noch nicht bekannt, aber Pastor Kemper sagt: „Es verdichten sich die Zeichen, dass es einen Nachfolger geben wird.“

 Das Interview führte Benedikt Alberternst.